El Call: Geronas jüdisches Viertel
El Call ist eines der besterhaltenen jüdischen Viertel Europas. Gassen, Synagoge und das Museum für jüdische Geschichte am Carrer de la Força.
El Call ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen jüdischen Viertel Europas. In diesem Labyrinth aus steinernen Gassen, Treppen und Innenhöfen lebte vom späten 9. Jahrhundert bis zur Vertreibung von 1492 eine jüdische Gemeinde. Ein Spaziergang hier führt mitten in eines der dichtesten und faszinierendsten Kapitel der Stadtgeschichte.
Was El Call ist
El Call liegt im Herzen der Altstadt von Girona, direkt neben der Kathedrale. Seine Ursprünge reichen bis etwa 890–898 zurück, als sich mehrere jüdische Familien in Häusern nahe dem religiösen Zentrum der Stadt niederließen. Jahrhundertelang war es eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Kataloniens, nur übertroffen von jener in Barcelona.
Der Carrer de la Força
Die alte Römerstraße, heute Carrer de la Força, war die Hauptader des Viertels. Von ihr zweigen enge, steile Gassen ab, die zur Stadtmauer hinaufführen. Lassen Sie den Stadtplan eine Weile beiseite: die Treppen, Bögen und Sackgassen sind genau das, was El Call unvergesslich macht. Viele Winkel dienten als Drehort für Kino und Fernsehen.
Das Museum für jüdische Geschichte
Am Carrer de la Força 8 befindet sich das Museu d'Història dels Jueus (Museum für jüdische Geschichte), im Centre Bonastruc ça Porta, errichtet auf den Resten der letzten Synagoge der Stadt. Seine Säle zeigen Alltag, Kultur und Geschichte der jüdischen Gemeinden Kataloniens. Zu den Höhepunkten zählen eine bemerkenswerte Sammlung hebräischer Grabsteine vom Friedhof Montjuïc in Girona sowie Dokumente im Zusammenhang mit der Vertreibung von 1492.
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Nachmanides und die Kabbala-Schule
Das 13. Jahrhundert war die Blütezeit von El Call. Hier entstand eine berühmte Kabbala-Schule, geprägt von Persönlichkeiten wie Azriel von Girona und vor allem Moshe ben Nachman —Nachmanides, auch Ramban oder Bonastruc ça Porta genannt—, dem einflussreichsten jüdischen Gelehrten der Stadt, nach dem Zentrum und Museum benannt sind. Aus diesem Kreis gingen die ersten Kabbalisten der Iberischen Halbinsel hervor.
1492 und das Ende der Gemeinde
Das Zusammenleben war über die Jahrhunderte nicht frei von Spannungen, Druck und Gewaltepisoden. Das Vertreibungsedikt von 1492 beendete mehr als sechshundert Jahre jüdischer Präsenz in Girona. Diese Geschichte ehrlich zu erzählen —ihren kulturellen Reichtum ebenso wie ihr tragisches Ende— macht einen Besuch in El Call heute so wertvoll.
So erkunden Sie es
Beginnen Sie im Museum am Carrer de la Força, um den Kontext zu verstehen, und folgen Sie dann den Seitengassen, die senkrecht zur Kathedrale hinaufführen, etwa Sant Llorenç oder Manuel Cúndaro. Planen Sie gut eine Stunde für den Rundgang ein und prüfen Sie vorab die Öffnungszeiten des Museums, da sie sich zwischen der Sommersaison und dem Rest des Jahres unterscheiden.
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